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Geiz / Habgier (lateinisch: avaritia)

Todsünde Geiz
Bild: glenda / Shutterstock.com

Geiz und Habgier sind Bestandteil der Sieben Todsünden.

Sie gehören zu den schlimmsten Übeln der Menschheit.

Was wird unter Geiz und Habgier verstanden?

Ist von Geiz (avaritia) die Rede, wird damit übertriebene und maßlose Sparsamkeit bezeichnet, die auch zwanghaft sein kann. Dabei sind die Geizigen nicht willens, ihren Besitz mit anderen Menschen zu teilen.

Fast immer geht Geiz mit Habgier bzw. Habsucht oder Raffgier einher und die Betroffenen streben nach immer mehr Besitztümern, obwohl sie diese oft gar nicht benötigen. So sind Habgier und Geiz eng miteinander verwandt.

In der katholischen Kirche zählen Habsucht und Geiz zu den Sieben Todsünden bzw. den sieben Hauptlastern, die als Wurzeln aller Sünden gelten.

Geiz als Todsünde

Beim Geiz, der in engem Zusammenhang mit der Habgier steht, handelt es sich um die zweite Todsünde.

Ein typisches Merkmal des Geizigen ist sein Drang, seinen Besitz nie wieder loszulassen und ihn gegen andere Menschen, die er selbst als habgierig ansieht, zu verteidigen. Dabei verspürt er in seinem Inneren eine tiefe Angst, eines Tages besitzlos und arm dazustehen.

So herrscht bei geizigen Menschen ein Vertrauensmangel in das Leben vor. Auch sicher fühlt sich der Geizige nicht. Stets fürchtet er sich davor, dass andere Personen ihm sein Eigentum oder seine Alterssicherung wegnehmen könnten.

Aufgrund ihres Geizes sind die Betroffenen kaum in der Lage, sich an ihrem Besitz zu erfreuen, weil sie glauben, ihn stets verteidigen zu müssen. Außerdem gönnen sie sich trotz ihres materiellen Wohlstands nur wenig.

Dabei werden mitunter Vermögenswerte angehäuft, von denen die Geizigen nur wenig haben, doch treibt sie ihre Habgier dazu an, immer mehr Besitztümer an sich zu bringen.

Nicht selten leiden auch die geistigen Fähigkeiten unter der extremen Sparsamkeit, weil sich die Geizigen und Habgierigen nicht weiterentwickeln.

Um dem Geiz zu entgehen, müsste sich der Geizige offen und großzügig zeigen, doch sind ihm diese Wesenszüge völlig fremd.

Geiz im Christentum

Die Problematik von Geiz und Habgier wurden bereits in der späten Antike erkannt. Im 4. Jahrhundert stufte der christliche Mönch Euagrios Pontikos (345-399), der als Begründer der klassischen Achtlasterlehre gilt, Habgier als Wurzel allen Übels ein.

So setzte Papst Gregor I. (540-604) den Geiz auf die Liste der Sieben Todsünden.

Im Epheserbrief steht sogar geschrieben, dass „habgierigen Menschen das Reich Christi und Gottes vorenthalten bleibt“.

Der Geiz im Wandel der Zeit

Im Laufe der Jahrhunderte änderte sich häufig die Hierarchie der Todsünden. So galt im frühen Mittelalter der Stolz als schwerste Sünde.

Im Hochmittelalter rückten jedoch Habgier und Geiz ins Zentrum der Aufmerksamkeit, was vor allem auf den Aufstieg von Bank- und Handelswesen zurückzuführen war.

Als „Geizkragen“ „Knicker“ oder „Pfennigfuchser“ waren Menschen verschrien, die trotz ihres Reichtums einen ärmlichen Lebensstil führten, um nichts von ihrem Besitz einzubüßen und ihn dadurch sogar zu vermehren.

International gerieten vor allem die sparsamen Schotten und Holländer oft in den Verdacht, geizig zu sein.

In Deutschland wurden besonders die Schwaben sowie die Preußen mit dem Laster des Geizes in Verbindung gebracht.

Im Kalten Krieg verwendeten die kommunistischen osteuropäischen Staaten Karikaturen von geizigen und habgierigen Kapitalisten. Damit bezeichneten sie Geschäftsleute, die vor unmoralischen Geschäften nicht zurückschreckten und sich für die Probleme armer Menschen keinen Deut interessierten. Stattdessen nutzten sie diese auch noch aus, um sich an ihnen zu bereichern.

Geiz in der Kunst

Geizige Charaktere erhielten auch in der Kunst schon früh reichlich Aufmerksamkeit. So fanden der habgierige Geldverleiher Shylock in William Shakespeares Stück „Der Kaufmann von Venedig“*, das Ende des 16. Jahrhunderts entstand, sowie Harpagon in Molières 1668 aufgeführtem Stück „Der Geizige“* eindrucksvoll ihren Platz.

In Charles Dickens‘ „Eine Weihnachtsgeschichte“* ist der Hauptprotagonist Ebenezer Scrooge ein alter unfreundlicher Geizhals, der jedoch durch den Besuch der drei Weihnachtsgeister in der Weihnachtsnacht zur Umkehr bewegt wird und sich fortan großzügig verhält.

Ebenezer Scrooge diente als Vorlage für die wohl populärste Geizkragen-Figur unserer Zeit: Dagobert Duck, die reichste Ente der Welt.

Erfunden von Carl Barks im Jahr 1947, avancierte Scrooge McDuck zu einer der beliebtesten Comic-Figuren des Walt-Disney-Universums.

Dagobert Duck betrachtet die Sparsamkeit als wichtigste Grundlage seines unermesslichen Reichtums. Dabei erfüllt er sämtliche Klischees eines Geizigen und Habgierigen, weil er auch als reichste Ente der Welt stets danach strebt, seinen Besitz zu vermehren, und er sich gegenüber seinen Neffen und Angestellten meist geizig verhält.

Wo sind die Grenzen zwischen gesunder Sparsamkeit und krankhaftem, sündigem Geiz?

Sparsamkeit gilt auch in der heutigen Zeit als wichtige Tugend und wird immer wieder propagiert. Geiz unterliegt hingegen nach wie vor einer negativen Betrachtungsweise.

Dabei können die Grenzen zwischen sinnvoller Sparsamkeit und maßlosem Geiz bzw. Habgier verwischen.

Einen sicheren Vorrat für Notzeiten anzulegen, wird nicht als bedenklich angesehen. Hortet der Betroffene jedoch Gegenstände, die er gar nicht benötigt, gilt dies als Anzeichen für Habgier.

Sogar suchtähnliches Verhalten wie zum Beispiel Kaufsucht kann ein Hinweis auf Habgier sein.

Psychiater und Neurologen sehen einen Zusammenhang zwischen Habgierigen und Drogensüchtigen. So kam es im Rahmen von Studien bei Menschen, die hohe finanzielle Transaktionen durchführten, zu ebenso starken Gehirnaktivitäten im Nucleus accumbens wie bei Kokainsüchtigen vor dem nächsten Drogenrausch.

In dieser Gehirnregion befinden sich die Dopamin-Rezeptoren, die wichtig für das Entstehen von Glücksgefühlen sind und Anteil an Suchtverhalten haben.

Nach Meinung der Wissenschaftler besteht die Gefahr, dass die Habgier durch gewagte finanzielle Spekulationen zu einer regelrechten Sucht wird. So suchen die Betroffenen in erster Linie den erregenden Rauschzustand, bei dem es zum Ausschütten von Dopamin und Endorphinen kommt, die wiederum Glücksgefühle auslösen.

In den meisten Fällen vermutet die Psychologie jedoch ein geringes Selbstwertgefühl und ‚innere Leere‘ hinter dem habsüchtigen und geizigen Verhalten. Gefördert werden die habgierigen Eigenschaften aber auch durch eine moderne konsumorientierte Gesellschaft.