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Hochmut (lateinisch: superbia)

Hochmut
Bild: AJR_photo / Shutterstock.com

Eine der wichtigsten Todsünden ist der Hochmut.

Unter Hochmut wird Überheblichkeit, Anmaßung und Arroganz verstanden.

Was ist Hochmut?

Bei Hochmut handelt es sich um menschliches Verhalten, das als überheblich, arrogant, übertrieben stolz und anmaßend angesehen wird. Auch der früher übliche Standesdünkel fällt unter den Hochmut. Im Laufe der Zeit wandelte sich allerdings die Bedeutung der Todsünde.

Die katholische Kirche bezeichnet Hochmut auch als superbia. Dieser lateinische Begriff lässt sich in Stolz übersetzen. Bei Stolz handelt es sich jedoch um eine Eigenschaft, die keineswegs immer sündig ist und durchaus zu Recht empfunden werden kann.

In der heutigen Zeit gelten jedoch mehr Verhaltensweisen wie Anmaßung und Hochmut als negative Eigenschaften. Die ursprüngliche religiöse Bedeutung ist dagegen in den Hintergrund getreten.

Als arrogant und hochmütig werden Menschen empfunden, die auf andere Personen aus unterschiedlichen Gründen verächtlich herabblicken und sich selbst als überlegen ansehen.

Nicht selten neigen hochmütige Menschen dazu, sich selbst und ihre eigenen Fähigkeiten zu hoch zu bewerten; sie neigen zur Selbstüberschätzung.

Obwohl sie Haltung bewahren und höfliche Umgangsformen pflegen, zeigen die Hochmütigen stets soziale Distanz gegenüber jenen, die sie als geringer einschätzen.

Oft wird der Hochmut von Narzissmus und eitlem Verhalten begleitet.

Die Todsünde Hochmut im Laufe der Jahrhunderte

Schon das alte Testament der Bibel geißelt den Hochmut in mehreren Passagen. So stammt vom legendären König Salomo der berühmte Spruch: „Hochmut kommt vor dem Fall“.

Die Bibel betrachtet allein Gott als groß. Menschen, die zu Hochmut neigen, fallen vom Schöpfer ab.

Auch Griechen und Römer beschäftigten sich in der Antike mit dem Hochmut. Dabei sah der berühmte griechische Philosoph Aristoteles (384–322 v. Chr.) berechtigten Stolz als positiv an. Die Selbstwertschätzung des Menschen bezeichnete er als „megalopsychia“ und behielt den Stolz Personen vor, die Großes geleistet hatten.

So galten für Aristoteles Menschen als ehrenwert, wenn sie nach ethischen Tugenden strebten. Personen, die zu Unrecht auf Dinge stolz waren, die sie nicht vollbracht hatten, schätzte er hingegen als aufgeblasen ein.

Auch der römische Politiker und Philosoph Marcus Tullius Cicero (106–43 v. Chr.) betrachtete mangelnde Bescheidenheit als Form von Hochmut. Stattdessen pries er das Streben nach dem Guten, den Einsatz für die Gemeinschaft und Mitgefühl für andere Menschen an.

Cicero stufte die „magnanimitas“, mit der er Seelengröße und Hochherzigkeit bezeichnete, als ebenbürtig mit dem Wert der „Fortitudo“ (Tapferkeit) ein und erhob sie zu einer Haupttugend.

Der Hochmut im Christentum

Vom christlichen Evangelium wurden die Lehren des jüdischen Alten Testaments zunächst fortgesetzt. So galten Menschen, die sich selbst als hoch betrachteten, obwohl sie nichts von Bedeutung geleistet hatten, als Selbstbetrüger.

Hochmut wurde zudem als Weigerung angesehen, die Herrschaft Gottes oder von anderen Menschen über das eigene Ich anzuerkennen.

Im 4. und 5. Jahrhundert n. Chr. kam es zur Entstehung der Achtlasterlehre, die auf den Mönch Euagrios Pontikus (345-399) zurückgehen soll. Dabei gehörte der Hochmut von Anfang an zu den Lastern des Menschen.

Der Abt und Schriftsteller Johannes Cassianus (um 360-435) stufte ihn um 420 noch als weniger schwerwiegende Sünde ein.

Im 6. Jahrhundert wurde der Hochmut jedoch von Papst Gregor I. (540-604) im Namen der Kirche zu einer der schwersten Sünden erklärt und bildete den Auftakt der Sieben Todsünden.

Für diese neue Bewertung war der Kirchenlehrer Augustinus von Hippo (354-430) verantwortlich. So bezeichnete dieser den Hochmut in seinem Werk De Trinitate* als schlimmstes Laster von allen.

Dabei vertrat der Kirchenlehrer die Ansicht, dass der Sünder fälschlicherweise meint, sich selbst von seinen Sünden befreien zu können.

Damit versucht er jedoch, sich der Erlösung durch Jesus Christus zu entziehen, was im höchsten Widerspruch zur göttlichen Lehre steht.

Entwicklung im Mittelalter

Die antike magnanimitas erfuhr im Mittelalter eine Aufwertung in einigen Kulturbereichen, woran auch der italienische Theologe Thomas von Aquin (1225-1274) Anteil hatte.

Thomas von Aquin wollte das Denken des Christentums mit der Denkweise der alten Griechen versöhnen.

Die Grundlage für das Verbot von Stolz und Hochmut wurde von ihm in den Zehn Geboten gesehen.

Zwischen der superbia und der magnanimitas machte er jedoch einige Unterschiede. Nach seiner Lehre standen Hochherzigkeit und Demut keineswegs im Widerspruch zueinander, sofern sich der Mensch seiner Schwächen bewusst war.

Als Hoher Mut wurde die magnanimitas auch vom adligen Ritterstand wiederbelebt, der in ihr eine beherrschte Selbstachtung sah; sie sei ausschließlich dem Adel vorbehalten.

Nachdem die ritterliche Kultur bis zum 15. Jahrhundert an Bedeutung eingebüßt hatte, hielt erneut der sündhafte Hochmut Einzug in die Literatur.

Hochmut in der Neuzeit

In späteren Jahrhunderten sahen sich vor allem Adel und Kirche dem Vorwurf des Hochmuts ausgesetzt.

Im Laufe der Zeit erfolgte ein Wandel des menschlichen Selbstverständnisses, der auch einen Rückzug von christlichen Tugenden mit sich brachte. So wird in der heutigen Zeit die Arroganz anstelle des Hochmuts verurteilt.

Dabei sind Unterschiede zwischen Ständen und Klassen eher in den Hintergrund getreten. Stattdessen handelt es sich zumeist um Konflikte zwischen einzelnen Personen, die prinzipiell gleichberechtigt sind. Das korrekte Verhalten hängt aber auch von den jeweiligen Kulturen ab.

In manchen Fällen kann die Arroganz ein Hinweis auf Unsicherheit sein. So verhält sich die betroffene Person oft aus Angst oder Unsicherheit vor anderen Menschen arrogant bzw. hochmütig, ohne es jedoch in Wahrheit zu sein.