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Neid (lateinisch: invidia)

Neid
Bild: Photographee.eu / Shutterstock.com

Der Neid zählt zu den Sieben Todsünden.

Er wird aber auch als wichtige Triebfeder des Menschen betrachtet.

Was wird unter Neid verstanden?

Von Neid (invidia) ist die Rede, wenn sich eine Person wünscht, die gleichen Güter zu besitzen wie die Person, die sie beneidet. Dabei kann es sich sowohl um materielle als auch um nicht-materielle Dinge handeln.

Der Neid lässt sich auch in verschiedene Formen unterteilen. So gibt es neben dem konstruktiven Neid, der den Wunsch beinhaltet, dieselben Güter wie der Beneidete zu erlangen, auch den destruktiven Neid. Im Falle dieser Missgunst wünscht sich der Neider, dass der Beneidete seine Güter einbüßt.

Ebenso ist es möglich, dass der Neider den Wunsch hegt, die beneidete Person möge weitergehenden Schaden erleiden, was ihm große Befriedigung verschaffen würde.

So unterliegt der Neid egoistischen Motiven, was ihn vom Sinn nach Gerechtigkeit deutlich unterscheidet. Ungekehrt kann der Wunsch nach Gerechtigkeit aber auch als Neid diskreditiert werden.

Psychologen betrachten den Neid als Wunsch des Menschen, seinen eigenen Wert zu steigern, um selbst in der jeweiligen sozialen Hierarchie aufsteigen zu können.

Exzessiver Neid wird von der Psychiatrie mitunter auch als Subform einer narzisstischen Persönlichkeitsstörung eingestuft.

Als Farbe des Neides gilt Gelb, was sich mit Gift und Galle assoziieren lässt.

Der Neid in der Bibel

Der Neid gehört wohl zu den ältesten Gefühlen der Menschheitsgeschichte. So berichtet bereits die Bibel darüber, dass Kain seinen Bruder Abel erschlug, weil er ihn beneidete. So nahm Gott Abels Opfer an, die von Kain aber nicht. In dieser Bibelerzählung geht der destruktive Neid so weit, dass er schließlich in Brudermord gipfelt.

So durfte der Neid nicht fehlen, als Papst Gregor I. (540-604) ihn im 6. Jahrhundert unter dem lateinischen Namen invidia in die Liste der Sieben Todsünden aufnahm.

Der Neid wurde allerdings von den Menschen eher wie ein Tabu behandelt. Grund dafür dürfte das Eingeständnis des eigenen Versagens sein, was dem Menschen meist schwerfällt und ihm Kummer bereitet. Der deutsche Philologe Friedrich Nietzsche (1844-1900) beschrieb den Neid als „Schamteil der menschlichen Seele“.

Der Neid in anderen Religionen

Aber auch andere Religionen widmeten sich dem Neid. So betrachtet der Hinduismus den Neid als Folge eines nicht akzeptierten Karmas oder Schicksals. Abhilfe entsteht ausschließlich aus der Anerkennung des eigenen Schicksals durch einen spirituellen Aufstieg, der dem Sünder nach der Wiedergeburt zuteil wird.

Erwähnung erfährt der Neid auch im islamischen Koran. So empfiehlt er, dieses negative Gefühl als schlechte Eigenschaft zu bekämpfen. Auf diese Weise soll dem Bösen Einhalt geboten werden.

Neid in der Kunst

Über die unterschiedlichen Kunstepochen hinweg galt der Neid als gelbes Monster, von dem der Sünder von innen zerfressen wird.

In dem Fresko „Invidia“ des italienischen Künstlers Giotto di Bondone, das 1305 entstand, schießt die Zunge des Neides aus dem Hals hervor und richtet die giftigen Zähne letztlich gegen die Missgünstigen selbst. Dabei zerstört der Neid nicht nur die Neider, sondern bedroht die gesamte Gesellschaft.

Aber auch in der heutigen Zeit setzt sich die Thematik des Neids unvermindert fort, was sich am häufigsten in dem klassischen Konflikt zwischen Arm und Reich zeigt. So verlangen die Ärmeren höhere Steuern für die Wohlhabenden. Diese widersprechen jedoch, indem sie darauf hinweisen, in einer Neidgesellschaft leben zu müssen, in der sie um ihren Reichtum zu Unrecht beneidet werden. Dabei stufen sie die ärmeren Menschen als schlecht ein, weil sie sie beneiden.

Die Todsünde Neid als Antriebsfeder

Nicht immer wird der Neid als negativ und lästig eingestuft. Handelt es sich um konstruktiven Neid, gilt dieser auch als wichtige Motivation für Innovationen und Fortschritte. So kann sich der Mensch nur schwer weiterentwickeln, wenn er andere Personen um nichts beneidet. Infolgedessen käme es weder zu Ehrgeiz noch zu Konkurrenz.

Aus diesem Grund differenzieren Neidforscher zwischen bösartigen und gutartigen Neidgefühlen. Dabei wird der Neid als durchaus sinnvoll und positiv angesehen, sofern er nicht in zerstörerische Missgunst ausartet.

Bösartiger Neid wirkt sich derart negativ aus, dass er die Gefühle der betroffenen Personen beherrscht und schließlich negative Folgen auf deren Urteilskraft und Gesundheit hat.

Nach Ansicht von amerikanischen Forschern ist der Neid jedoch tief in den Genen der Menschen verwurzelt, sodass kaum auf Besserung dieser Todsünde zu hoffen ist, denn das Definieren des Menschen durch Vergleiche mit seinen Artgenossen gehört zum festen Bestandteil seines Wesens.

Besonders erbittert fällt der Neid aus, wenn die beneideten Personen dem Neider ähnlich sind. Millionenschwere Unternehmenserben oder Sportstars werden nur selten beneidet. Anders sieht es jedoch bei den Arbeitskollegen aus, nachdem diese eine Gehaltserhöhung bekommen haben.

Bereits im Jahr 700 v. Chr. erkannte der griechische Autor Hesiod, dass der Zimmermann den Zimmermann, der Töpfer den Töpfer, der Sänger den Sänger und sogar der Bettler den Bettler beneidete. Je größer also die Ähnlichkeit zwischen den Menschen ist, desto intensiver fällt auch der Neid aus.

Was wäre der Mensch ohne den Neid?

Von Wilhelm Busch (1832-1908) stammt der Spruch: „Neid ist die aufrichtigste Form der Anerkennung“.

So zählt der Neid zu den festen menschlichen Charaktereigenschaften. Ohne ihn würde der Mensch viel von seiner Menschlichkeit verlieren.

Nach Meinung der Neidforscher wirkt sich das Fehlen des Neides sogar nachteilig auf die Evolution aus.

Bis zu einer neidlosen Gesellschaft ist es daher wohl noch ein weiter Weg.