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Psychologie des Hochmuts (superbia)

Der Hochmut wird zu den sieben Todsünden gezählt.

Doch wie lässt er sich psychologisch erklären?

Hochmut und Stolz

Die Todsünde Hochmut wird oft zusammen mit Stolz genannt.

Dabei gilt es jedoch zu differenzieren. Beim Stolz erfreut sich der Mensch an der verdienten Anerkennung einer erbrachten Leistung.

Bleibt die Anerkennung jedoch aus oder wurde überhaupt keine Leistung erbracht, und fühlt sich der Betroffene zu Unrecht stolz oder verhält sich arrogant, ist von Hochmut die Rede.

Stolz wird also als positiv erachtet, während Hochmut als negativ gilt.

Beispiele für hochmütiges Verhalten

Von der Kirche wird Hochmut als ’superbia‘ bezeichnet und als erste von allen Todsünden genannt.

Nicht umsonst ist der Hochmut auch in der heutigen Zeit häufig anzutreffen.

Ein typisches Merkmal des Hochmuts ist, dass sich bestimmte Menschen als besser ansehen als ihr Umfeld.

Dabei zeigen sie sich ihren Mitmenschen gegenüber als herablassend und interessieren sich gar nicht für deren Meinung.

Kommt es jedoch zu Widerstand gegen sie, haben die Hochmütigen große Probleme, damit umzugehen, weil sie zu einem lockeren Verhalten bei Widersprüchen nicht in der Lage sind.

Dabei betrachten sich die Hochmütigen quasi als Mittelpunkt der Welt.

Die Kommunikation mit ihnen verläuft stets sehr einseitig. Echte Freundschaften sind dadurch nur selten möglich.

Außerdem würden sich hochmütige Menschen selbst niemals als anmaßend oder arrogant bezeichnen.

Der Hochmut aus sozialpsychologischer Sicht

Von der Sozialpsychologie werden Hochmut und Arroganz als Distanzverhalten beschrieben, das aus Unsicherheit geschieht.

Nach außen hin präsentieren sich die Hochmütigen zwar als anmaßend und überheblich, in ihrem Inneren herrscht jedoch in Wahrheit große Unsicherheit.

Manche Betroffene empfinden sogar regelrechte Angst vor ihren Mitmenschen.

Es gibt aber durchaus auch hochmütige Menschen, bei denen keinerlei innere Unsicherheit besteht.

Ist der Hochmut mit Narzissmus und Hysterie verwandt?

Einige Psychotherapeuten sehen eine enge Verwandtschaft zwischen Hochmut und Narzissmus (Selbstverliebtheit).

Dabei vereinigen sich Egoismus, Gier, Frechheit und Rücksichtslosigkeit miteinander.

Nicht selten wendet sich der Hochmut letztlich gegen die Hochmütigen selbst, obwohl sie ihre narzisstische Überheblichkeit gegen andere Menschen richten.

Eine weitere Verwandtschaft besteht zwischen Hochmut und Hysterie.

In der heutigen Zeit wird Hysterie als affektiv betontes, stark übertriebenes und emotionales Verhalten angesehen, das in einer überzogenen Selbstdarstellung mündet.

Der Betroffene stellt sich dabei immer wieder selbst in den Mittelpunkt des Geschehens.

Nach Ansicht von Psychologen handelt es sich bei der Hysterie nicht um einen Mangel an Persönlichkeit, sondern um eine neurotische Störung.

Sie manifestiert sich, ohne dass eine organische Grundlage dafür vorhanden ist.

Gelingt es den hysterischen Menschen nicht, die Aufmerksamkeit anderer Personen auf sich zu ziehen, führt dies automatisch zu ihrem Unwohlsein.

Ihre Sprache ist übertrieben und dient in erster Linie dazu, sich selbst in den Vordergrund zu stellen.

Im Unterschied zu den Narzissten verursachen die Hysteriker bei anderen Menschen jedoch weniger Schuldgefühle, sodass sie als etwas umgänglicher gelten.

Wie kommt es überhaupt zu Hochmut?

Warum verhalten sich manche Menschen überhaupt arrogant und hochmütig? Aus psychologischer Sicht kommen dabei mehrere auslösende Faktoren zusammen.

Meist fühlen sich die Betroffenen in ihrem Inneren minderwertig.

Ein positives Selbstgefühl erhalten sie erst dadurch, dass sie andere Menschen erniedrigen.

Mit ihrer Überheblichkeit bewirken sie zu anderen Personen eine Distanz, was letztlich dem eigenen Schutz dient.

Der Auslöser dabei ist die Furcht, von den anderen Menschen angegriffen oder kritisiert zu werden, was diese nach Auffassung des Hochmütigen vermeiden würden, wenn sie sich weniger wertvoll fühlen.

Der Hochmut stellt also einen Selbstschutz des Hochmütigen dar.

Als weitere mögliche Auslöser für Arroganz kommen soziale Inkompetenz sowie psychologische Probleme wie eine Psychose oder narzisstische Persönlichkeitsstörung infrage.

In der Regel besteht bei den betroffenen Personen ein gestörtes Selbstbild.

Auch unzureichendes Selbstvertrauen oder innere Leere können zu Hochmut führen.

So ist sie mitunter bei Personen anzutreffen, die unter Einsamkeit und Verbitterung leiden.

Gelegentlich entsteht der Hochmut auch aus Neidgefühlen.

Ursachen für Hochmut

Oft reichen die Auslöser für überhebliches und hochmütiges Verhalten zurück bis in die Kindheit.

Erfährt ein Kind in jungen Jahren keine Zuwendung oder Aufmerksamkeit, versucht der erwachsene Mensch später die früheren Bedürfnisse zu erfüllen.

Manchmal wird sogar ein bestimmter Berufsweg dazu eingeschlagen.

In der heutigen Zeit stellt der Hochmut in zahlreichen Unternehmen ein beträchtliches Problem dar.

So tummeln sich dort zahlreiche Mitarbeiter, die nur sich selbst und ihr berufliches Fortkommen im Sinn haben.

Von Kritik wollen sie nichts wissen, und mit ihren Kollegen und Untergebenen tun sie sich schwer, sodass eine fruchtbare Teamarbeit kaum möglich ist.

Da die Hochmütigen selbst stets alles besser wissen, gehen sie ihrem überheblichen Verhalten ungehindert nach, was nicht selten zum Schaden des gesamten Unternehmens führt.

Oft wollen sie sogar Schaden anrichten, ohne dass ihnen dies bewusst wird.

Wie sollte mit hochmütigen Personen umgegangen werden?

Ein großes Problem ist, dass oft nur die Opfer des Hochmuts einen Psychotherapeuten aufsuchen.

Die hochmütigen Personen tun dies jedoch kaum, weil sie keinen Leidensdruck durch ihr arrogantes Verhalten verspüren.

Selbst, wenn sie die negativen Folgen ihres Hochmuts bemerken, weil sich alle andere Menschen mehr und mehr von ihnen abgrenzen, sehen sie die Schuld nicht bei sich selbst, sondern weisen sie anderen Personen zu.

Nur selten gehen sie den wahren Auslösern der Probleme nach.

Wie man mit hochmütigen Menschen umgehen kann, ist individuell verschieden. Handelt es sich um einen guten Bekannten, empfiehlt es sich, ihn vorsichtig auf sein arrogantes Verhalten hinzuweisen und darauf, dass er Schaden damit anrichten kann.

Eine andere Möglichkeit ist, ihn direkt zu fragen, warum er ein hochmütiges Verhalten zeigt. Während manche Betroffene alles leugnen oder nach Ausreden suchen, nutzen andere wiederum die Gelegenheit, von ihrem Hauptproblem zu berichten.

Letztlich kann jedes Verhaltensmuster falsch sein und negativ ausgelegt werden.

Im schlimmsten Fall entsteht sogar eine Feindschaft, weil der Hochmütige unwiderruflich davon überzeugt ist, im Recht zu sein.

Professionelle Hilfe

Nicht selten bedarf es zur Änderung des Hochmuts professioneller psychologischer Hilfe.

Aber auch dann muss von der betroffenen Person selbst genügend Einsicht und Willen zur Veränderung vorhanden sein.