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Psychologie des Neides (invidia)

Dass Neid zu den häufigsten Todsünden gehört, ist bekannt. Doch aus welchen psychologischen Gründen entsteht er?

Warum reagiert der Mensch neidisch?

Nach Meinung der Psychologen kommt es zu Neid, wenn ein Mensch sich mit einem anderen vergleicht und dabei zutage tritt, dass diese Person ihm auf bestimmten Gebieten überlegen ist. Als besonders schwer erträglich gilt dieser Vergleich, wenn es größere Ähnlichkeiten mit dem Beneideten gibt.

Nicht selten führt die neidische Reaktion dazu, dass die positiven Eigenschaften der beneideten Person geschmälert werden. Manche Neider gehen im Extremfall sogar dazu über, die beneidete Person zu sabotieren. Allerdings kann der Neid auch ein positiver Ansporn sein, die eigenen Fähigkeiten zu verbessern.

Von den Psychologen wird empfohlen, den Neid gut zu kontrollieren, indem man nicht ständig auf andere Personen blickt, sondern sich dagegen eigene realistische Ziele setzt. Wenn sich die Gedanken jedoch immer nur darum drehen, wie viel der Andere besitzt und wie wenig man selbst hat, führt dies zu Ärger und Verbitterung. Der Neider glaubt, dass ihm das Gleiche zusteht wie dem Anderen.

Negative Betrachtung des Neides

Von Religionen und Philosophen wurde der Neid stets negativ beurteilt. So geißelte schon die Bibel den Neid in der Geschichte von Kain und Abel. Darin erschlug Kain seinen Bruder Abel aus Neid, weil Gott dessen Opfergaben bevorzugte.

Von dem römischen Philosophen Seneca wurde gemahnt, dass ein Mensch niemals glücklich sein könne, wenn ihn störte, dass ein anderer Mensch noch mehr Glück erführe. Die katholische Kirche erklärte den Neid (invidia) im 6. Jahrhundert zu den sieben Todsünden. Doch trotz aller Warnungen und Mahnungen gehört der Neid noch heute zu den gängigen Hauptsünden.

Gründe für den Neid

Nach Ansicht von Sozialpsychologen kommt es erst dann zu Neidgefühlen, wenn direkte Vergleiche mit anderen Personen angestellt werden, die dabei besser abschneiden. Dabei fällt das Neidgefühl besonders intensiv aus, wenn der Betroffene denkt, dass auch er an dieser Stelle stehen könnte.

Demnach empfindet ein Amateursportler mehr Neid auf einen Vereinskollegen als auf einen Weltmeister oder Olympiasieger, dessen Leistungsvermögen für ihn unerreichbar ist. Mitunter werden sogar ärmere Menschen beneidet, weil sie staatliche Sozialleistungen erhalten, während zu den reichen Top-Managern aus der Wirtschaft eine größere Distanz besteht.

Der Neid und die negativen Emotionen

Neid führt immer wieder zu negativen Emotionen wie zum Beispiel Schadenfreude. So freut sich der Neider nicht selten darüber, wenn der beneideten Person ein Missgeschick widerfährt. Häufig leiden die Neider aber auch unter einem verminderten Selbstwertgefühl. Dieses führt dann wiederum zu einer Feindseligkeit gegenüber Personen, die beneidet werden.

Letztlich ist der Mangel an Selbstwert die Hauptwurzel des Übels, denn wer mit sich selbst zufrieden ist, braucht andere Menschen nicht zu beneiden. Dass Macht und Reichtum nicht immer erstrebenswert sind, demonstrierte der griechische Philosoph Diogenes von Sinope. Er beneidete den erfolgreichen Alexander den Großen nicht um dessen prachtvolle Stellung und meinte, dass er im Leben mehr Dinge verachtet hätte, als Alexander jemals besitzen würde.

Neid als Ansporn

Der Neid kann aber durchaus nützlich sein, wenn er als Ansporn für bessere Leistungen dient. So führt das Neidgefühl zu Taten, die ohne dieses vermutlich ausblieben. So wären viele wirtschaftliche, kulturelle und persönliche Entwicklungen ohne einen gewissen Neid gar nicht möglich. Es ist anzunehmen, dass der Mensch ohne Neid noch immer in Höhlen leben würde. Daher gilt der Neid als bedeutender Faktor des Überlebens und der Evolution.

Letztlich kann der Neid auch positive Eigenschaften entfalten, solange er nicht übertrieben wird. Es kommt also auf das richtige Maß an. Gutartiger Neid besteht nach Auffassung der Psychologen darin, zum Beispiel beim Sport noch intensiver zu trainieren, um die eigenen Leistungen zu steigern.

Als bösartiger Neid gilt dagegen, der anderen Person ihre Erfolge aus Missgunst streitig zu machen, indem die erbrachten Leistungen in Zweifel gezogen werden. Manche Psychologen sehen jedoch im gutartigen und bösartigen Neid keine wesentlichen Unterschiede. Beide Neidformen seien in dem Wunsch des Menschen begründet, den eigenen Wert zu steigern und die soziale Position zu verbessern.

Krankhafter Neid

Manchmal nimmt der Neid aber auch tatsächlich krankhafte Ausmaße an. In der Psychiatrie wird exzessiver Neid als Symptom von verschiedenen narzisstischen Persönlichkeitsstörungen beschrieben. Die Narzissten reagieren aufgrund ihrer Erkrankung überaus empfindlich auf Niederlagen, Zurückweisung oder Kritik.

Probleme durch den Neid

Meist leidet der Neider durch seine negativen Emotionen selbst unter Problemen. So ist er ständig unzufrieden, fühlt sich deprimiert und reagiert mit Aggressionen, die sich sogar zu Hassgefühlen ausweiten können.

Den Neid überwinden

Es gibt durchaus Möglichkeiten, den Neid zu überwinden. Dazu ist es wichtig, dieses negative Gefühl zunächst zu akzeptieren, denn sich dafür ständig zu verurteilen hilft letztlich nicht weiter.

Stattdessen sollte der Neid als Herausforderung betrachtet werden, das eigene Leben positiver zu gestalten. Anstatt den Beneideten mit negativen Emotionen zu verfolgen, kann es hilfreich sein, ihn als Vorbild zu betrachten und sich zu überlegen, ob man selbst bereit ist, die gleichen Leistungen und Anstrengungen zu erbringen wie die beneidete Person, um erfolgreicher zu sein.

Dinge und Verhaltensweisen, die sich am Leben ändern lassen, sollten geändert werden. Die Dinge, die unabänderlich sind, müssen jedoch akzeptiert werden.