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Psychologie der Völlerei (gula)

Die Völlerei stellt nicht nur eine Todsünde für den menschlichen Geist dar, sondern auch für die Gesundheit.

Doch wie ist sie psychologisch zu erklären?

Essen überlebenswichtig

Der Mensch muss regelmäßig essen und trinken, um überleben zu können. Der Selbsterhaltungstrieb ist also die wichtigste Motivation für Speis und Trank. Der Mensch kann aber durchaus auch aus Genuss essen.

Diese Einstellung gilt auch nach Meinung von Ernährungspsychologen keineswegs als bedenklich. Kommt es zur Gewichtszunahme, besteht die Option, anstelle von Fetten und Zucker etwa vermehrt Obst und Gemüse zu verspeisen.

Wenn der Genuss zur Maßlosigkeit verkommt

Viele Menschen neigen jedoch dazu, zu viele Nahrungsmittel zu sich zu nehmen. Der Körper erhält dadurch aber mehr Kalorien, als er eigentlich benötigt. Die Folge davon ist die Ablagerung von überschüssigem Fett, das sich insbesondere an Bauch oder Hüfte bemerkbar macht.

Gesellt sich zu dem üppigen Essen auch noch maßloser Alkoholkonsum hinzu, drohen weitere schädliche Auswirkungen auf die Gesundheit. Eine mögliche Folge davon kann eine sogenannte Fettleber sein.

Dennoch neigen manche Menschen trotz gesundheitlicher und ästhetischer Negativauswirkungen weiterhin zur Völlerei (gula). Doch welche Beweggründe sind dafür ausschlaggebend? Die Psychologie sieht mehrere Ursachen.

Essen als Belohnung

Viele Menschen schlemmen reichlich, weil sie sich für etwas belohnen möchten. Diese Freude lässt sich rasch verwirklichen und ist im Prinzip auch nicht weiter bedenklich, sollte jedoch nicht zur Regel werden.

Essen aus Langeweile

Weitaus bedenklicher ist das Essen aus Langeweile. So bemerken die betroffenen Personen häufig gar nicht, wie viel sie verzehren. Oft ist das Essen auch eine Nebentätigkeit bei anderen Beschäftigungen wie Lesen, Musikhören oder Fernsehen. Die Psychologen sehen es als besonders schwierig an, Menschen, die aus Langeweile zum reichlichen Schlemmen neigen, von ihrer Völlerei abzubringen.

Essen als Ersatz für Liebe

Vor allem Frauen sehen das Essen häufig als Liebesersatz an. So vermittelt ihnen eine reichliche Mahlzeit Wärme und Geborgenheit. Oft mangelt es den betroffenen Frauen an Selbstwertgefühl, weil sie sich nicht attraktiv genug fühlen oder glauben, dass niemand sie mögen würde.

Essen zum Abbau von Frust

Manche Menschen versuchen mit ihrer Völlerei privaten oder beruflichen Stress abzubauen. Wer häufig unter Frustrationen leidet, nimmt auch viel zu sich, um die Probleme zu kompensieren. Besser wäre in diesem Fall, anstelle des Essens sportliche Aktivitäten oder Massagen zu setzen.

Essen zum Abbau von Stress

Auch ständiger Stress kann der Grund für Völlerei sein. Ähnlich wie beim Abbau von Frust wollen die Betroffenen den Stress durch den Genuss von üppigem Essen abbauen. Zum Problem wird dieses Verhalten erst durch die Regelmäßigkeit. Besser wären stattdessen bewährte Entspannungsmethoden wie Yoga. Auch die körperliche Nähe zum Partner kann helfen.

Essen durch äußere Reize

Doch nicht nur psychosoziale Probleme können die Menschen zu übermäßigem Essen verleiten, sondern auch äußere Reize. So passiert es mitunter, dass Menschen an einer Imbissbude vorbeigehen, ohne Hunger zu haben und sich dann trotzdem eine Mahlzeit bestellen.

Den Menschen selbst, die sich zumeist für vernunftbegabt halten, sind diese äußeren Reize oftmals gar nicht bewusst. Beeinflussend wirkt sich jedoch das limbische System aus. Dieser Gehirnabschnitt bildet die Gefühle und Wünsche der Menschen. Das limbische System bestimmt rund 80 Prozent des menschlichen Essverhaltens. Dabei bleibt die Vernunft häufig nur zweiter Sieger.

Das Problem beim limbischen System besteht darin, dass es unbedingt Belohnungen haben will. Durch den spontanen Besuch einer Imbissbude, einer Gaststätte oder eines Restaurants geschieht genau dieses, indem sich der Betroffene mit etwas Leckerem zum Essen belohnt.

Beeinflusst wird dieses Essverhalten vor allem durch die unerwartete Gelegenheit wie mehrere Studien zeigten. Würde zum Beispiel auf dem Tisch eine Schüssel mit schmackhaften Keksen stehen, wären diese schon nach 30 Minuten mindestens zur Hälfte verspeist, selbst dann, wenn der Betreffende keinerlei Hunger verspürt.

Befänden sich die Kekse dagegen im Schrank, erhielten sie deutlich weniger Beachtung. Die äußeren Reize spielen also bei der Völlerei eine maßgebliche Rolle.

Maßhalten schwierig

Die Völlerei oder Maßlosigkeit beim Essen geschieht also keineswegs immer aus negativen Gründen. Die Motive dafür sind von Mensch zu Mensch sehr verschieden. So sollen die Mahlzeiten für gute Laune sorgen, Trauer oder Ärger kompensieren oder eben als Liebesersatz dienen.

Die Nahrung wirkt sich positiv auf das menschliche Wohlbefinden aus. Daher ist es umso schwieriger, dagegen vorgehen zu wollen. So moduliert das Essen die Gefühle des Menschen. Und was noch schwerer wiegt: es tröstet ihn und nimmt ihm seine Ängste.

So lässt es sich satt und zufrieden oft leichter einschlafen. Außerdem nimmt das Essen dem Menschen seine größte Furcht: nämlich zu verhungern.

Neurowissenschaftler fanden mittlerweile heraus, dass die Vernunft des Menschen vom limbischen System regelrecht manipuliert wird. So obsiegen immer wieder die psychologischen Gründe wie eine Belohnung oder der Abbau von Stress über die gesundheitlichen Risiken.

Auch wenn sich die Betroffenen vornehmen, später am Abend nichts mehr zu essen, haben die meisten von ihnen später diesen Vorsatz wieder vergessen. Dennoch gibt es durchaus Menschen, die diesen Versuchungen widerstehen können.

Archaisches System

Nach Meinung einiger Psychologen läuft im Menschen ein uraltes genetisches Programm ab. Dieses Programm befiehlt den Menschen immer wieder, so viel Süßes und Fettes zu essen wie möglich.

In früheren Zeiten war dieses Ernährungsmodell aus evolutionsbiologischer Sicht durchaus sinnvoll. So gab es zum Beispiel in der Steinzeit immer wieder Hungerphasen, die überbrückt werden mussten. War einmal genug Essen vorhanden, verzehrten die Steinzeitmenschen so viel wie möglich davon.

Als beste Energiespender galten Zucker und Fett. Hätten die Menschen der Steinzeit so gelebt, wie es in der heutigen Zeit die Ernährungsberater vorschlagen, wären sie wohl ausgestorben. Die Mischkost, die heutzutage üblich ist, galt in früheren Zeiten als Luxus und hätte das Überleben auf Dauer nicht gesichert.

Fazit

Das beste Mittel gegen die Völlerei ist das Maßhalten. So gilt in vielen Religionen ein maßvolles Verhalten als Zeichen eines sündenfreien Lebens.

Aber auch mehr Wissen über eine gesunde Ernährungsweise kann dabei helfen, der Völlerei Herr zu werden.