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Die Sieben Gaben des Heiligen Geistes

Heiliger Geist
Bild: IgorZh / Shutterstock.com

Unter den Sieben Gaben des Heiligen Geistes werden von den Christen besondere Begabungen verstanden, die der Heilige Geist verleiht.

Sie zählen zu den Formeln der katholischen Lehre.

Die Sieben Gaben

Die katholische Kirche lehrt sieben besondere Gaben, die das Wirken des Heiligen Geistes im Menschen nahe bringen.

Dabei handelt es sich um:

1. Die Gabe der Weisheit

Durch die Gabe der Weisheit erhält die menschliche Seele die Fähigkeit, Göttliches von Menschlichem zu unterscheiden und seinen Wert zu erkennen.

Die Gabe der Weisheit stellt einen Gegensatz zur menschlichen Unvernunft und Unwissenheit dar und zählt zur Tugend der Liebe.

Durch sie strebt der Mensch nach Vollkommenheit.

2. Die Gabe der Erkenntnis oder des Verstandes

Mit der Gabe der Erkenntnis bzw. des Verstandes ist der Mensch in der Lage, Dinge Gottes zu erforschen und sie zu verstehen, obwohl der menschliche Verstand eher träge ist.

Diese Gabe wird zur Tugend des Glaubens gerechnet.

3. Die Gabe des Rates

Mithilfe der Gabe des Rates kann der Mensch auf den rechten Weg gelangen, ohne vorschnell zu urteilen.

Sie ist Teil der Tugend der Klugheit und wählt aus, welche Mittel für das Gute die richtigen sind.

4. Die Gabe der Stärke

Wer die Gabe der Stärke besitzt, kann mit ihr die Gabe des Verstandes entschlossen durchführen.

Sie geht gegen die ungeregelte Furcht vor und ist Teil der Tugend des Starkmutes.

5. Die Gabe der Wissenschaft

Durch die Gabe der Wissenschaft erhält der Mensch die Fähigkeit zu Unterscheidung.

Mit ihr kann er sicherer und gewisser auswählen und in das Dunkel vordringen.

Sie ist gegen die Unwissenheit gerichtet und gehört zur Tugend des Glaubens.

6. Die Gabe der Frömmigkeit

Wer die Gabe der Frömmigkeit besitzt, reagiert sanft und milde.

Durch sie wird der Mensch vor Gefühllosigkeit und Gottvergessenheit bewahrt.

Sie zählt zur Tugend der Gottesverehrung.

7. Die Gabe der Gottesfurcht

Durch die Gabe der Gottesfurcht werden alle anderen Gaben besiegelt.

Durch sie wird das Herz des Menschen dazu bewegt, allem zu widerstehen, was vermessen und unvollkommen ist. So wirkt sie wie eine schützende Mauer.

Dennoch kann die menschliche Seele die Wohltaten Gottes erkennen und ihm dafür mit aller Kraft danken.

Sie gehört zur Tugend der Demut.

Woher stammen die Sieben Gaben des Heiligen Geistes?

Ihren Ursprung haben die Sieben Gaben des Heiligen Geistes im Alten Testament beim Propheten Jesaja.

Dieser sagte sechs Wesenszüge des Heiligen Geistes voraus.

Dabei berichtete er über die vielen Könige Israels, die aus Schwäche ihre Macht missbrauchten und sich von Gott abwandten.

Doch eines Tages sollte der Messias an ihre Stelle treten und die Beziehung zwischen Gott und dem Volk Israel erneuern, das sich danach sehnte, diesen Bund zu stärken.

Als Vorbilder dienten die starken und klugen Könige David und Salomo.

Zu den sechs Gaben des Jesaja zählten Weisheit, Einsicht, Rat, Kraft, Erkenntnis und Gottesfurcht.

In späten Übersetzungen der Bibel kam die siebte Gabe der Frömmigkeit hinzu.

Die katholische Kirche entwickelte daraus die Sieben Gaben des Heiligen Geistes.

Die Zahl 7 war für die katholische Kirche überaus wichtig, damit sie die sieben Gaben mit den sieben göttlichen Tugenden Liebe, Glaube, Hoffnung, Mäßigung, Klugheit, Tapferkeit und Gerechtigkeit sowie den sieben Todsünden Stolz, Neid, Geiz, Wollust, Zorn, Völlerei und Trägheit symbolisch verbinden konnte.

Die Gaben der Weisheit im Neuen Testament

Auch im Neuen Testament werden die Gaben des Heiligen Geistes an verschiedenen Stellen aufgeführt.

Zu diesen Gaben gehören:

  • die Glaubenskraft
  • das Vermitteln von Erkenntnis
  • das Mitteilen von Weisheit
  • Wunderkräfte
  • das Heilen von Krankheiten
  • das Unterscheiden der Geister
  • prophetische Ansprachen
  • Zungenrede sowie ihre Bedeutung

Der Gebrauch der Geistesgaben soll stets mit der Liebe verbunden sein.

Die Sieben Gaben des Heiligen Geistes im Mittelalter

Auch aus dem Mittelalter liegen mehrere Überlieferungen der Geistesgaben vor.

Dazu zählen der Hymnus nach dem Mönch Rabanus Maurus (um 780 bis 856) aus dem 9. Jahrhundert sowie der Hymnus nach dem englischen Theologen Stephen Langton von Canterbury (um 1150 bis 1228) aus dem 13. Jahrhundert.

Von dem bedeutenden italienischen Kirchenlehrer Johannes Bonaventura (1221-1274) wurde das Werk „Über die sieben Gaben des Heiligen Geistes“ herausgebracht.

Es hatte Einfluss auf die weitere Lehrentwicklung der Kirche und wirkte sich auf die Spiritualität des Franziskanerordens aus.

Der deutsche Schriftsteller und Dichter Heinrich Kaufringer stellte im 15. Jahrhundert in einem geistlichen Gedicht die Sieben Gaben des Heiligen Geistes den Sieben Todsünden gegenüber, die von Papst Gregor dem Großen (540-604) erstellt worden waren.

Die Gaben des Heiligen Geistes aus evangelischer Sicht

Der Augustinermönch und Theologieprofessor Martin Luther (1483-1546) sprach 1529 davon, „dass der Heilige Geist ihn zum Evangelium berufen und mit all seinen Gaben erleuchtet habe“.

Den auf Latein verfassten Hymnus des Rabanus Maurus hatte Luther bereits 1524 ins Deutsche übertragen.

Dabei hielt er sich an die Siebenfaltigkeit der Geistesgaben, die vorgegeben war.

Im 17. Jahrhundert lehnten sich lutherische Theologen an Martin Luther an und formulierten eine sogenannte Pneumatologie, in der sie die Gaben des Heiligen Geistes entfalteten.

Von den deutschen Theologen Johann Conrad Dannhauer (1603-1666) und Johann Andreas Quenstedt (1617-1688) wurden die Geistesgaben als siebenstufige Funktionen des Heiligen Geistes beschrieben.

Dabei handelte es sich um:

  • die spirituelle Berufung durch den Heiligen Geist
  • die geistliche Wiedergeburt als Kind Gottes durch den Heiligen Geist
  • die Bekehrung durch den Heiligen Geist, der den Menschen zu Gott führt
  • die Rechtfertigung, in deren Rahmen Gott den Menschen voll und ganz akzeptiert, wenngleich er ein Sünder ist, was durch den Heiligen Geist ermöglicht wird
  • die Buße, bei der sich der Mensch durch den Heiligen Geist vom Bösen abkehrt und sich Gott zuwendet
  • die Vereinigung mit Gott durch den Heiligen Geist
  • die Heiligung, in deren Rahmen der Mensch durch den Heiligen Geist die Kraft für das Hervorbringen vielfältiger Früchte des Geistes erhält

Durch das Denken der lutherischen Hochorthodoxie wandte sich auch die evangelische Kirche wieder dem siebenteiligen Schema zu und stufte es als differenzierten geistlichen Weg ein.

Dabei verstanden die evangelischen Theologen die Gaben des Geistes als spirituellen Prozess.

Der Heilige Geist in den charismatischen Bewegungen

Bei christlichen Bewegungen wie der Pfingstbewegung sowie der charismatischen Bewegung wird davon ausgegangen, dass die Gaben des Heiligen Geistes in jedem Christen vorhanden sind, wobei diese Bewegungen sich an den Briefen des Apostels Paulus aus dem Neuen Testament orientieren.

Die Geistesgaben stellen mehr als natürliche Begabungen dar, stehen diesen aber auch nicht entgegen.

Mithilfe der Geistesgaben lässt sich die Gemeinde erbauen, die den Leib von Jesus Christus bildet.

Bedeutung der Sieben Gaben

Der Heilige Geist entfaltet seine Wirkung nicht nur im Messias, sondern in all jenen Menschen, die an Gott glauben und ihm in ihrem Leben einen wichtigen Platz einräumen.

Der Mensch ist jedoch nicht perfekt, sodass er es aus eigener Kraft nicht schaffen kann, zu Gott zu kommen.

Durch den Heiligen Geist entsteht eine Verbindung zwischen dem Menschen und Gott.

Er verleiht den Menschen Eigenschaften, durch die ihre Persönlichkeit positive Veränderungen erfährt.

Bei diesen wichtigen und prägenden Eigenschaften handelt es sich um die Gaben des Geistes.