Stärke als Gabe des Heiligen Geistes

Stärke als Gabe des Heiligen Geistes
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Zu den sieben Gaben des Heiligen Geistes gehört auch die Gabe der Stärke.

Sie wird als eine der bedeutendsten Gaben angesehen.

Die Gabe der Stärke als mentale Kraft

Wenn von Stärke gesprochen wird, ist damit weniger die körperliche Kraft gemeint, als die mentale Stärke.

In der modernen Gesellschaft zählt sie zu den wichtigsten Tugenden. So glauben viele Menschen, dass der Einzelne sich niemals schwach zeigen darf.

Geistige Stärke ist aber ebenso eine Gabe des Heiligen Geistes, sodass sie auch ihren göttlichen Sinn hat.

Die christliche Kirche betrachtet die Gabe der Stärke als etwas Positives. So wird der Glaube an Gott durch den Heiligen Geist gestärkt.

Mithilfe seiner geistigen Stärke kann der Mensch seine Angst überwinden, wodurch er nicht vom richtigen Weg, den Jesus Christus eingeschlagen hat, abkommt.

Auch das Herz des Menschen wird durch seine Stärke befreit, da es oft von Trägheit oder Unsicherheit betroffen ist.

Gerade in schwierigen Lebenssituationen ist die Gabe der Stärke dringend vonnöten. Sie gilt aber auch als Grundtenor des christlichen Daseins.

In seinem Brief an die Philipper schrieb der Apostel Paulus, „dass er alles vermag durch ihn, von dem er seine Kraft erhält“.

Im Buch der Psalmen wird Gott wiederholt gebeten, dem Volk Kraft zu geben und es mit Frieden zu segnen.

Gemeint ist damit nicht die gewalttätige Stärke des Körpers, sondern geistige Stärke, aus der Frieden entsteht.

Die Gabe der Stärke als Ergänzung zur Gabe des Verstandes

Die Gabe der Stärke kann die Gabe des Verstandes bzw. der Erkenntnis ergänzen, um sie mit der nötigen Entschlossenheit zu vollziehen.

Durch die Stärke ist der Mensch außerdem in der Lage, alle Hindernisse, die sich ihm entgegenstellen, zu überwinden, wenn sich seine Seele nicht der Furcht und Schwäche beugt.

Der Theologe und Philosoph Thomas von Aquin (1225-1274) sah in der Stärke eine moralische Kardinaltugend und betrachtete sie schließlich als Gabe des Heiligen Geistes.

Dabei bezog sich Thomas von Aquin auf Aristoteles‘ „Nikomachische Ethik“. Mit seiner Betrachtung der Gabe der Stärke als Kardinaltugend ging er jedoch über Aristoteles‘ Erkenntnisse hinaus.

Seiner Meinung nach war die Stärke der Garant für die Beständigkeit sämtlicher anderen Tugenden. Zur Umsetzung der Tugenden in das moralische Leben sei es nötig, dass diese beständig blieben. Dies wird jedoch erst durch die Gabe der Stärke möglich.

Für Thomas von Aquin stellte die Stärke sogar die Haupttugend dar und bildete die Grundlage für sekundäre Tugenden wie Geduld, Beharrlichkeit und Großmut.

Kardinaltugend Tapferkeit

Die Gabe der Stärke ist auch Teil der der Kardinaltugend Tapferkeit, die zu den sittlichen Tugenden des Guten zählt.

Durch sie wird die Entschlossenheit gestärkt, den Versuchungen zu widerstehen und selbst die Angst vor dem Tod zu besiegen.

Die Tapferkeit führt sogar dazu, sein eigenes Leben für eine gerechte Sache zu wagen.

Dabei ist jedoch keine Tollkühnheit gemeint, bei der es sich um eine unbedachte Form von Stärke und Tapferkeit handelt.

Vom Schweizer Theologen Stephan Sigg wird die Stärke als eine Art Cheerleader betrachtet. Sie spornt den Menschen dazu an, selbst wenn er schwächelt, nicht aufzugeben.

So versetzt die Gabe der Stärke den Menschen dazu, über sich hinauszuwachsen, wodurch er wiederum neue Kraft erlangt.

Außerdem kann er durch seine Stärke auch anderen Menschen Kraft und Energie verleihen.

Die Schattenseite der Stärke

Stärke kann aber auch negative Assoziationen auslösen, wenn zum Beispiel vom „Recht des Stärkeren“ auf der Welt die Rede ist.

So lässt sich körperliche, wirtschaftliche, finanzielle, ideologische oder politische Stärke dazu missbrauchen, andere Menschen zu unterdrücken oder in ihrer Meinung zu beschneiden.

Oft wird diese negative Stärke in raffiniert ausgeklügelten Medienkampagnen versteckt.

Was wird überhaupt unter mentaler Stärke verstanden?

In der Gegenwart wird unter mentaler Stärke der richtige Umgang mit Problemen, Nöten und Stresssituationen verstanden.

Während sich die einen Menschen schwer im Umgang mit Schwierigkeiten tun, trotzen die anderen selbst den größten Sorgen.

Ob Menschen mental stark sind oder nicht, entscheidet sich häufig bereits im Kopf.

Manche Menschen werden durch Rückschläge so schwer erschüttert, dass sie in eine Lebenskrise geraten und rasch resignieren.

Andere Personen rappeln sich dagegen schnell wieder auf und kämpfen unverzagt weiter.

Psychologen sprechen dann oftmals von Selbstwirksamkeit. Sie bezieht sich auf den Glauben an das eigene Leistungsvermögen. So ist der Betroffene davon überzeugt, die unterschiedlichsten Probleme positiv bewältigen zu können.

Dazu bedarf es wiederum einer hohen Willensstärke sowie einer großen Toleranz gegenüber Frustrationen. Zum Beispiel werden Rückschläge als Lehrstunden angesehen.

Aus psychologischer Sicht besteht mentale Stärke aus einer Kombination aus Selbstvertrauen, Optimismus und Disziplin.

Die mentale Stärke wird sogar als Schlüsselfaktor für den persönlichen Erfolg sowie das Weiterkommen im Leben angesehen.

Was zeichnet mental starke Menschen aus?

Personen mit mentaler Stärke sind imstande, ihre Emotionen nüchtern zu bewerten, ihre Ängste bewusst einzuschätzen und zu ihren Schwächen zu stehen.

Außerdem haben sie keine Probleme damit, auch einmal allein zu sein, die eigenen Talente zu schärfen, aus Fehlern zu lernen und schließlich auch Verantwortung zu übernehmen.

Darüber hinaus können sie sich auch über Erfolge anderer Menschen freuen, wodurch sie innerlich frei werden.

Gottvertrauen als Gabe des Heiligen Geistes

Im Christentum wird die innere Stärke durch gelassenes Gottvertrauen ermöglicht.

Auf diese Weise erhalten die Menschen die Möglichkeit, auch auf Ungerechtigkeiten aufmerksam zu werden, die in ihrer Umgebung geschehen, und sie offen anzusprechen, anstatt aus Angst oder Bequemlichkeit wegzusehen und zu schweigen.

So ist die Gabe der Stärke auch eine Kraft zum Standhalten, die eigenen Entscheidungen zu vertreten und gegen ungerechte Widerstände anzukämpfen.

Dabei hilft die Gabe auch bei der Bewältigung von Krisen, sodass der Mensch am Ende sogar gestärkt aus ihnen hervorgehen kann.