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Völlerei (lateinisch: gula)

Todsünde Völlerei
Bild: Lightspring / Shutterstock.com

Die Völlerei stellt die fünfte der Sieben Todsünden dar.

Sie beinhaltet Gefräßigkeit und Maßlosigkeit.

Was wird unter Völlerei verstanden?

Von Völlerei (lateinisch: gula) ist die Rede, wenn es zu Gefräßigkeit, Fresssucht und unmäßigem Verhalten kommt.

Im Christentum wird sie zu den Sieben Todsünden gezählt, da es sich bei ihr um eine spezielle Form von Egoismus handelt.

Sie umfasst nicht nur Gefräßigkeit, sondern auch übermäßigen Alkoholgenuss. So gehören also Trunksucht und Fresssucht in gleichem Maße zur Völlerei, die auch als Zeichen für einen ausschweifenden Lebensstil gilt.

Die Völlerei im Christentum

Als Sünde galt die Völlerei bereits in der Bibel, wo sie vor allem im berüchtigten Sodom und Gomorra vorkam.

Im 6. Jahrhundert ordnete sie Papst Gregor I. (540-604) unter der lateinischen Bezeichnung gula den Sieben Todsünden zu, die die Grundlage für weitere Sünden bildeten.

Für die katholische Kirche galt die Völlerei als Undankbarkeit Gott gegenüber. Aus diesem Grund legte sie den Sündern auch eine harte Buße auf. So wurde ihnen die Verbannung in die Hölle angedroht, in der sie bis in alle Ewigkeit Schmerzen erleiden sollten.

Eine Folge der Einstufung der Völlerei als Todsünde war, dass Angehörige der Kirche wie Mönche, Nonnen sowie gläubige Christen ein maßvolles Leben führten, was aber keineswegs immer für die Führer der Kirche wie Päpste, Kardinäle und Bischöfe galt, von denen sich einige der Völlerei hingaben, während die Armen Hunger leiden mussten.

Als christliche Tugend wurde der Völlerei die Mäßigung entgegengesetzt.

Die Völlerei im Laufe der Zeit

Die Völlerei wurde bereits von Paulus von Tarsus in seinem Brief an die Philipper angeprangert. So verdammte er diejenigen Menschen, „deren Gott ihr Bauch war“. Durch ihre Gefräßigkeit sanken sie auf die Stufe von Tieren herab. Das christliche Prinzip des Teilens sowie der Nächstenliebe wurde durch die maßlose Fresserei dagegen verhöhnt. Darüber hinaus verdächtigte Paulus die Gefräßigen zugleich der sexuellen Maßlosigkeit.

Die Todsünde der Völlerei fiel im Laufe der Zeit auch auf die Oberen der katholischen Kirche zurück. Dabei warfen die Reformatoren im 16. Jahrhundert den Priestern vor, selbst maßlos und gefräßig zu sein, weil sie sogar an Fastentagen auf delikate Fischgerichte und andere üppige Menüs zurückgriffen.

Aber auch Monarchen wie der französische König Ludwig XVI. (1754-1793) sahen sich dem Verdacht der Völlerei ausgesetzt, während sie gleichzeitig dafür verantwortlich waren, dass ihr Volk darben musste.

In der Frage der Völlerei kam es während der verschiedenen Jahrhunderte immer wieder zu Schwankungen zwischen Strenge und Toleranz.

Anstelle der Völlerei predigten Theologen, Pädagogen und Moralisten wiederholt, die Kardinalstugend der Mäßigung einzuhalten. Schon seinerzeit wurden das Maßhalten sowie eine ausgewogene Ernährungsweise empfohlen.

Lediglich im Rahmen gemeinsamer Mahlzeiten galt das üppige Schlemmen als akzeptabel, was schließlich zum Entstehen der modernen Esskultur führte.

Die Vorteile der Todsünde

Ab dem 17. Jahrhundert ging die negative Betrachtungsweise der Völlerei allmählich zurück, was auch von der Wissenschaft unterstützt wurde. So kam es zur Veröffentlichung von informativen Kochbüchern*. Besonders wertgeschätzt wurden delikate Speisen in Frankreich.

Zu Beginn des 21. Jahrhunderts wandten sich französische Gourmets sogar direkt an den Papst, um durch eine Unterschriftenaktion die Abschaffung der köstlichen Todsünde einzufordern.

Allerdings wurde die Völlerei im 17. und 18. Jahrhundert auch als Anzeichen für gesellschaftliche Differenzierung betrachtet. Dabei gaben sich Adel und Klerus gastronomischen Ausschweifungen und weiteren Sinnesfreuden hin, womit sie ihre Standeszugehörigkeit demonstrierten.

Weiterhin wandelte sich die Betrachtungsweise der Fresssäcke, die von Schlemmern zu Feinschmeckern und Genießern mutierten.

Zeitweise wurde die Völlerei auch auf den Genuss von süßen Speisen bezogen.

Die Völlerei in der Gegenwart

Auch heute noch gilt Völlerei als negative Eigenschaft, wenngleich sie nicht mehr als Todsünde betrachtet wird. Zum Vergehen wird sie jedoch durch den Schlankheitskult, der mitunter zu einem regelrechten Schlankheitswahn ausartet.

Doch auch die Medizin wendet sich aus gesundheitlichen Gründen gegen das übermäßige Schlemmen, weil es schädliches Übergewicht bis hin zu Adipositas (Fettsucht) hervorruft, was wiederum Krankheiten wie zum Beispiel Diabetes mellitus zur Folge haben kann.

Gibt ein Mensch der Völlerei nach, gilt er oft als charakterschwach und macht sich nach Meinung vieler auch gegen die Gesellschaft schuldig, weil durch Erkrankungen aufgrund von Übergewicht hohe Kosten entstehen.