Weisheit als Gabe des Heiligen Geistes

Weisheit und Heiliger Geist
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Zu den wichtigsten Gaben des Heiligen Geistes zählt die Weisheit.

Doch was wird unter Weisheit verstanden?

Was ist Weisheit?

Als Weisheit gilt ein tiefes Verständnis für die Zusammenhänge des Lebens. Dazu gehören vor allem die Gesellschaft und die Natur.

Weisen Menschen wird die Fähigkeit zugeschrieben, im Falle von Problemen und schweren Fragestellungen die logischste und sinnvollste Lösung zu finden.

Weisheit wird auf unterschiedliche Weise definiert.

So erstreckt sie sich auf verschiedene Sparten des Lebens wie Wissen, Intuition, Rationalität und Glauben.

Allgemein wird die Weisheit mit geistiger Unabhängigkeit und Beweglichkeit in Verbindung gebracht.

Weise Menschen sind imstande, weise Entschlüsse zu fassen, weise Ratschläge zu erteilen und sich weise zu verhalten.

Ihr systematisch angelegtes Denken erweist sich in einer bestimmten Situation als sinnvoll und richtig.

Zur Weisheit gehört außerdem, bestimmte Dinge aufgrund reiflicher Überlegung nicht auszusprechen.

Von Bedeutung ist die Weisheit auch in den meisten Religionen, in der Philosophie, Wissenssoziologie und Persönlichkeitspsychologie.

Gleiches gilt für das Erforschen von Mythen und Märchen sowie für die Kunst.

Die Weisheit in der Philosophie

Die Weisheit stellt ein häufiges Thema der Philosophie dar. Dabei gelangten die Gelehrten zu unterschiedlichen Schlüssen.

Während frühe griechische Denker wie Homer, Heraklit (um 520 bis um 450 v. Chr.) und Pindar (um 522 bis um 446 v. Chr.) die Weisheit als „Tüchtigkeit in Beziehung zu etwas“ betrachteten, unterschied Sokrates (469 bis 399 v. Chr.) zwischen menschlicher und göttlicher Weisheit. Die göttliche Weisheit überstieg die des Menschen erheblich.

Sokrates galt sogar als „der Weiseste“; von ihm stammt das geflügelte Wort „Ich weiß, dass ich nichts weiß“.

Platon (428/427 bis 348/347 v. Chr.) stufte die Weisheit als eine der vier Kardinalstugenden ein.

Laut Platons Höhlengleichnis war die Weisheit die Erkenntnis der wirklichen Welt.

Der Weise wendete sich dabei von Irrtümern und Täuschungen, die durch sein alltägliches Erleben zustande kamen, ab.

Aristoteles (384 bis 322 v. Chr.) sah in der Weisheit „das Wissen von gewissen Prinzipien und Ursachen“.

Für ihn galt die Weisheit als eine Verstandestugend, die sich auf das Nötige und Unveränderliche bezog.

Die griechische Stoa empfand den stoischen Weisen als ideal. Selbst unter der Folter war der Weise aufgrund seiner vollkommenen Tugend in der Lage, glücklich zu sein.

Die Weisheit im Alten Testament

Viele Religionen sahen die Weisheit als göttlich an.

So betrachtete die Bibel die Weisheit als Gottes Geschenk.

In der Geschichte von König Salomo aus dem Alten Testament wird ein Beispiel für Weisheit gegeben.

Nach dem Tod seines Vaters, König David, beabsichtigte der junge König Salomo Gott ein Opfer darzubringen.

Als Salomo schlief, erschien ihm Gott im Traum und fragte ihn nach seinen Wünschen.

Salomo wünschte sich weder Reichtümer, mehr Macht oder ein langes Leben, wie die meisten Menschen es tun würden.

Stattdessen bat er Gott um ein hörendes Herz, damit er das Gute vom Bösen unterscheiden und das Volk weise regieren konnte.

So verlieh Gott Salomo Weisheit.

Die Weisheit im Christentum

In der Bibel vertrat der Apostel Paulus die Ansicht, die Welt sei gar nicht in der Lage, Weisheit und Klugheit zu erkennen.

So habe Gott gesagt, dass er die Weisheit der Weisen vernichten und die Klugheit der Klugen verwerfen werde.

Die Menschen seien nicht imstande, die Weisheit Gottes zu erkennen, obwohl sie von seiner Weisheit umgeben waren.

Was den Menschen an Gott töricht erschiene, war jedoch weiser und stärker als die Menschen.

Kirchenvater Augustinus von Hippo (354-430) sah in der Weisheit das Maß des menschlichen Geistes, um diesen im Gleichgewicht zu halten.

So sorgt die Weisheit dafür, dass der Mensch nicht ins Übermaß ausschweift noch in Unzulänglichkeit verfällt.

Ein weiser Mensch braucht weder Übermaß, Mangel oder Unglück zu befürchten, da die Weisheit sein Maß ist und dafür sorgt, dass er glücklich ist.

Die Weisheit in der katholischen Kirche

Von der römisch-katholischen Kirche wurde die Weisheit zu den sieben Gaben des Heiligen Geistes gezählt.

Nach Auffassung der katholischen Lehre ist die Weisheit wie ein Geschmack, durch den die Gläubigen Göttliches und Menschliches voneinander ohne Täuschungen unterscheiden können.

Durch die Weisheit strebt der Mensch nach Vollkommenheit.

Für die katholische Kirche ist die Weisheit auch eine Tugend der Liebe.

Die Weisheit im Buddhismus

Im Buddhismus wird bei der Weisheit zwischen „Prajna“ und „Sunyata“ unterschieden.

Bei Prajna handelt es sich um die große, umfassende Weisheit. Sie umgibt sämtliche Dinge im Universum.

Sunyata bedeutet die Erkenntnis, dass sämtliche Phänomene, die erscheinen, kein eigenständiges Sein enthalten, das in ihnen wohnt.

Sunyata gilt auch als bedeutende Erfahrung, um zur Erleuchtung zu finden.

Die Weisheit im Hinduismus

Der Hinduismus bezeichnet Weisheit und Wissen als „Vidya“.

Teil des Hinduismus ist die philosophische Lehre des Yoga, die die Gedanken des Menschen anhält, damit er im Moment verweilen kann.

Ebenso kommt Yoga im Buddhismus zur Anwendung.

Die Weisheit im Konfuzianismus und der chinesischen Philosophie

Von größter Bedeutung ist die Weisheit im Konfuzianismus und der chinesischen Philosophie.

Dort wird sie sogar zu den Kardinalstugenden gerechnet.

Merkmale der Weisheit in der heutigen Zeit

Gekennzeichnet wird die Weisheit auch heutzutage durch sinnvolle Verhaltensweisen.

So bedenken weise Menschen die Konsequenzen, die aus ihrem Handeln entstehen.

Sie entwickeln ein Verständnis für die Notwendigkeiten der Bedürfnisse der Gemeinde.

Selbst in Konflikten oder problematischen Verhältnissen zeigen sie simple und praktische Lösungen auf.

Zu den Charaktereigenschaften weiser Personen zählen:

  • Verständnis
  • Logik
  • Rationalität
  • praktisches Denken und Handeln
  • Vernunft
  • Klugheit
  • überlegtes Vorgehen

Die Weisheit eignet sich gut für das Lösen von Konflikten sowie zur Seelsorge.

So sagen weise Menschen zum passenden Zeitpunkt die passende Wahrheit.