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Wollust (lateinisch: luxuria)

Die Wollust gehört zu den sieben christlichen Todsünden.

Sie zählt zu den heikelsten Themen der katholischen Kirche.

Was ist Wollust?

Unter dem Begriff Wollust wird das sinnliche Begehren und die Lust auf Sex verstanden. Sie beinhaltet auch aktive Handlungen, die dazu dienen, sexuelle Befriedigung zu erlangen. In früheren Zeiten galt die Wollust als frevelhaft und ruchlos.

Für die katholische Kirche stellt das Thema Sexualität seit jeher ein umfassendes Problemfeld dar. So duldet die Kirche Geschlechtsverkehr zur Fortpflanzung, um eine Familie zu gründen, spart jedoch alles Weitere zu diesem Thema aus.

Allerdings zählt die Fleischeslust, wie sie die Kirche nennt, zum Zeugen von Kindern dazu. Die Vertreter der katholischen Kirche vertreten jedoch nach wie vor die Auffassung, dass Geschlechtsverkehr ausschließlich zum Zeugen von Nachwuchs ausgeübt werden sollte.

In der Realität ist die Sexualität jedoch ein wichtiger Faktor, um Zärtlichkeit und Zuneigung zum Partner auszudrücken.

Die Wollust in der christlichen Lehre

Bei der Wollust (luxuria) handelt es sich um eine der Sieben Todsünden. Das bedeutet, dass sie zu jenen Sünden zählt, aus denen weitere Sünden hervorgehen.

In der Lehre der Urlaster wurde die Lust selbst nicht gegeißelt, weil sie eine wichtige Voraussetzung für das Zeugen von Nachkommen bedeutete. An ihre Stelle setzte Papst Gregor I. (540-604) im 6. Jahrhundert die Wollust auf die Liste der Sieben Todsünden. Darunter verstand die Kirche seinerzeit Sexualpraktiken, die sie als unnatürlich ansah.

Im Mittelalter gehörte die Wollust zu den bedeutendsten Anklagepunkten im Rahmen von Prozessen gegen Hexen und Ketzer, die von der Inquisition durchgeführt wurden.

Häretischen Gruppen warf die Inquisition häufig freie Liebe oder einen unmoralischen Lebenswandel vor. Nicht selten unterstellten sie den Angeklagten sogar wollüstigen Beischlaf mit dem Teufel.

Als unnatürliche Sexualpraktik betrachtete die Kirche zudem die Homosexualität.

Ebenso galt Selbstbefriedigung als unmoralisch und gefährlich.

Die sexuelle Lust wurde als Werk des Teufels betrachtet, das den Menschen in den körperlichen und seelischen Ruin führen sollte.

Die Todsünde Wollust im Wandel der Zeit

Mehrere Jahrhunderte lang befasste sich die Kirche ausführlich mit der Bekämpfung der Todsünde Wollust. Dabei verbreitete sie die unterschiedlichsten Schreckenszenarien über ihre Auswirkungen. Bis ins 20. Jahrhundert wurde zum Beispiel die Selbstbefriedigung als schädlich für die Gesundheit eingestuft.

Mit der sogenannten sexuellen Revolution in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts verlor die Kirche jedoch ihren Einfluss auf die Schlafzimmer der Menschen. So gehören Selbstbefriedigung, gleichgeschlechtliche Liebe sowie das Verwenden von Sexspielzeug oder Pornographie nicht mehr zu den Tabus der Gesellschaft.

Allerdings haben diese Auswirkungen mitunter ihre Schattenseiten. So nahm die Anzahl der Geschlechtskrankheiten deutlich zu, zu denen vor allem Tripper (Gonorrhoe) und Syphilis gehören.

Während Syphilis in den 90er-Jahren in Mitteleuropa noch zu den seltenen Erkrankungen zählte, stieg ihre Verbreitung in den letzten Jahren wieder an. In manchen Fällen können diese bakteriellen Krankheiten aufgrund von Antibiotikaresistenzen nicht immer effizient behandelt werden.

Auch die Seele leidet unter der Wollust

Nicht nur der Körper kann unter der Wollust leiden, auch Psyche und Seele mancher Menschen werden durch sie beeinträchtigt. Zwar wird die Wollust in der heutigen Zeit nicht mehr als Sünde angesehen, doch sind für zahlreiche Menschen noch immer die Moralvorstellungen vergangener Epochen von Bedeutung.

So bestehen nach Angaben von Sexualpsychologen nach wie vor Schuldgefühle bei sexuellen Themen. Besonders betroffen davon sind Senioren oder religiöse Personen. Sie betrachten die Sexualität in erster Linie als Mittel zur Fortpflanzung, das nicht zu Spaßzwecken dient.

Aber auch andere Menschen, die Wollust nicht mehr als Sünde einstufen, leiden unter Problemen, weil die Sexualität in der modernen Gesellschaft fortwährend verfügbar sein muss. So besteht mitunter sogar ein regelrechter Lustzwang. Dies führt oft dazu, dass sämtliche sexuellen Praktiken durchgeführt werden, weil die Betroffenen der Meinung sind, es wäre falsch, diese nicht zu tolerieren.

Viele Menschen bezahlen die hohen Anforderungen des modernen Sexuallebens mit dem Verlust ihrer Libido. Weil sie sich beispielsweise vor Sexualpraktiken ekeln, die ihr Partner von ihnen verlangt, verzichten sie lieber komplett auf den Geschlechtsverkehr.

Lust wichtig für das Sexualleben

Dennoch gilt befriedigender Sex als bedeutender Faktor für die Gesundheit. Wichtiger als die Menge des Geschlechtsverkehrs ist jedoch seine Qualität. Dabei bildet die Lust oder Wollust einen wichtigen Teil des Sexuallebens.