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Zorn (lateinisch: ira)

Zorn bzw. Wut zählt zu den Sieben Todsünden der katholischen Kirche.

Diese negative Charaktereigenschaft kann fatale Folgen haben, wird mitunter aber auch als gerecht angesehen.

Was wird unter Wut und Zorn verstanden?

Im Lateinischen trägt der Zorn die Bezeichnung ira. Gemeint ist damit eine intensive aggressive emotionale Erregung, die im Affekt auftritt.

Oft wird der Zorn, der auch als Wut, Groll oder Jähzorn bekannt ist, von weiteren negativen Eigenschaften begleitet.

Zorn zeigt sich als wutähnlicher Effekt oder starker Ärger, der in Wutausbrüchen und unkontrollierten Handlungen gipfeln kann. So sind die Betroffenen vor lauter Wut oft nicht mehr in der Lage, sich zu beherrschen und treten rücksichtslos auf.

Mitunter kann der Zorn aber auch durchaus berechtigt sein. Zu seinen Varianten zählen zum Beispiel Gottes Zorn, der Volks- oder Bürgerzorn oder der Wählerzorn.

Nicht selten entsteht die Wut, weil die zornige Person das Gefühl empfindet, ungerecht behandelt worden zu sein.

Ein Unterschied zwischen Wut und Zorn besteht darin, dass die Wut allgemeiner verläuft und schwerer zu kontrollieren ist. Im Gegensatz zum Zorn wird die Wut durch Kränkungen ausgelöst. Dabei verspürt der Wütende das Gefühl, sich für die ungerechte Behandlung rächen zu müssen.

Zu Zorn kommt es dagegen zumeist durch das Verweigern von bestimmten Ansprüchen. So verhalten sich Eltern oft zornig, wenn ihnen ihr Kind nicht den nötigen Respekt erweist.

Umgekehrt kann aber auch das Kind zornig sein, weil es zum Beispiel von seinen Eltern kein Spielzeug oder Süßigkeiten erhält.

Im Mittelpunkt des Zorns steht daher auch nicht der Wunsch nach Vergeltung, sondern das Verdeutlichen der Unzufriedenheit.

Aber auch Verstöße gegen die allgemein empfundene Ethik können der Grund für zorniges Verhalten sein.

Der Zorn in der menschlichen Kultur

Vom griechischen Philosophen Aristoteles (384-322 v. Chr.) wurde der Zorn zu den Grundgefühlen des Menschen gezählt.

Bereits Homer machte den Zorn zu einem antreibenden Motiv seines Helden Achilles in der Ilias.

Auch das Christentum erkannte Wut und Zorn als bedeutende Emotionen. So schrieb der Kirchenvater Lactantius (um 250-320 n. Chr.) in seiner Schrift „De ira“, dass der Zorn Gottes von höchster Bedeutung sei. So straft Gott in seinem Zorn, um damit die Grundlage für den Glauben zu schaffen. Dieser stellt wiederum den zentralen Punkt sämtlicher Religionen dar. Durch die Religion entsteht nach Auffassung von Lactantius wiederum Gerechtigkeit und Weisheit. Durch seinen Zorn stellt Gott klar, dass er der Garant einer positiven Weltordnung ist und ihn die Schandtaten der Menschen wütend machen.

Todsünde Wut

Im 6. Jahrhundert setzte Papst Gregor I. (540-604) die Wut bzw. den Zorn des Menschen auf die Liste der Sieben Todsünden der christlichen Kirche.

Seither gilt der Jähzorn als eines der sieben Hauptlaster. Bei diesen handelt es sich um Wurzelsünden, die ihrerseits weitere Sünden nach sich ziehen.

Aber auch in anderen Kulturkreisen außerhalb des Christentums gelten Wut und Zorn als inakzeptable Verhaltensweisen, da sie nicht einem ehrenwerten Sozialverhalten entsprechen.

Wut kann sowohl gut als auch schlecht für die Gesundheit sein

Gesundheitsexperten geben zu bedenken, dass Wut durchaus auch nützliche Eigenschaften haben kann. So gelangten mehrere Studien zu dem Resultat, dass das ständige Unterdrücken von wütenden Emotionen sich negativ auf die Gesundheit auswirkt. Zum Beispiel drohen infolgedessen zu hoher Blutdruck, ein Anstieg des Cholesterinspiegels sowie Erkrankungen von Herz und Kreislauf bis hin zum Herzinfarkt.

Allerdings ist es durchaus möglich, dass auch ständig ausgelebte Wut diese Krankheiten hervorruft und ihr Risiko sogar noch erhöht. Dabei kommt es durch permanenten Zorn zur verstärkten Herstellung der Stresshormone Adrenalin und Noradrenalin.

Unterdrückte Wut wird hingegen als eine Ursache für Essstörungen, Alkoholmissbrauch und Depressionen angesehen.

Wut mitunter auch sinnvoll

Durch Aggressionen wie Zorn oder Wut erhält der Mensch oft wichtige Lebensenergie. So motivieren sie ihn dazu, bestimmte Dinge anzupacken und Probleme zu lösen.

Völlig ohne aggressive Emotionen würde der Mensch in Lethargie und Depressionen verfallen. Für die Bewältigung seines Daseins hätte er nicht genügend Kraft.

Zur Todsünde und damit zur Gefahr werden Wut und Jähzorn jedoch, wenn der Mensch es nicht vermag, richtig mit ihnen umzugehen.

Sind Bitterkeit und Hass die Antriebsfedern des Zorns, verliert der Betroffene die Kontrolle und droht sich selbst und andere zu zerstören.

Todsünde Zorn in der Gegenwart

Noch in der heutigen Zeit werden Zorn und Wut als negative Charaktereigenschaften angesehen. Allerdings lässt sich der Zorn in zwei Varianten unterteilen. So gilt er als sündhaft, wenn er aufgrund von Rachsucht und dem Wunsch nach Vergeltung angetrieben wird.

Von heiligem Zorn ist hingegen die Rede, wenn er sich gegen die Ausbeutung von Mensch und Umwelt, Ungerechtigkeit und Hunger richtet. Das Gegenstück zum Zorn bildet die Sanftmut.